Die Osnabrücker Vielen

Kultureinrichtungen und -schaffende aus Stadt und Landkreis Osnabrück solidarisieren sich mit Akteur*innen der Kunst- und Kulturszene, die von rechtspopulistischen und rechtsextremen Positionen attackiert oder in Frage gestellt werden. Sie sind damit einem Aufruf des 2017 gegründeten Vereins DIE VIELEN e.V. gefolgt und haben sich zur regionalen „Osnabrücker Erklärung der Vielen“ zusammen geschlossen.

#stolpersteineputzenOS

#stolpersteineputzenOS zum Gedenken an den 9. November

Der Künstler Gunter Demnig erinnert seit den Neunziger Jahren mit dem Kunstprojekt STOLPERSTEINE in Europa an die Opfer der NS-Zeit. Vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort oder ihrer Arbeitsstätte wird eine Gedenktafel aus Messing ins Trottoir eingelassen. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas. In Osnabrück gibt es inzwischen 296 Messingtafeln auf den Gehwegen der Friedensstadt.

Am Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 haben die Osnabrücker VIELEN mit der Aktion #stolpersteineputzenOS einen besonderen Fokus auf das Kunstprojekt STOLPERSTEINE gelegt und den Opfern des NS-Regimes gedacht. Die Aktion möchte Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern die Bedeutung der STOLPERSTEINE näherbringen: Hinter jedem Stein steht ein Name, ein Mensch.

Die Biografien der Menschen und weitere Infos kann man hier nachlesen: www.osnabrueck.de/stolpersteine

Glänzende Aktionstage

DIE VIELEN organisierten am 8. und 9. Mai 2020 „Glänzende Aktionstage“, um den 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus und die Beendigung des Zweiten Weltkrieges würdig zu feiern sowie am folgenden Tag, dem Europatag, ein offenes Europa der VIELEN zu proklamieren. Verbunden mit den Aktionstagen ist die Idee, die beiden Daten als Erinnerungs- und Gedenktage im kollektiven Bewusstsein zu verankern.

Den Auftakt machte die Deutschland- und Österreichweite Verlesung der Erklärung der VIELEN, vorgetragen von Vertreter*innen aller regionalen Erklärungen.

Dieses Video wurde vom Studio Marshmallow in Hamburg mit Unterstützung des Eidelstedter Bürgerhauses Hamburg vorbereitet und geschnitten.

Chor der Osnabrücker Vielen

Anlässlich der GLÄNZENDEN AKTIONSTAGE am 8./9. Mai 2020 und des Europatags hat der Chor der Osnabrücker VIELEN die Europahymne der VIELEN mit dem Text von Bernadette La Hengst und Barbara Morgenstern. Die Musik ist allseits bekannt von Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“.

Die Osnabrücker Kulturinstitutionen präsentierten im Corona Lockdown ihre glänzenden Statements an Fassaden, Türen und in den Fenstern.

Osnabrücker Erklärung der Vielen

KUNST SCHAFFT EINEN RAUM ZUR VERÄNDERUNG DER WELT

Als Aktive der Kulturlandschaft in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. Kunst wurde als „entartet“ diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Künstler*innen. Gerade als Kunstschaffende der Friedensstadt Osnabrück sehen wir es als selbstverständliche Pflicht an, für Frieden und Demokratie einzutreten und uns im öffentlichen Diskurs dafür einzusetzen.

Heute begreifen wir die Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs und urbanen Orte als offene Räume, die Vielen gehören.

Unsere Gesellschaft ist plural. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten!

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne und Programme eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur.

Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft beabsichtigen umzugehen, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind Alltag. Dieses Bündnis will in die Tiefe wirken. Wir setzen uns deswegen mit den eigenen Strukturen auseinander und stellen diese zur Verhandlung. Wir müssen die Kunst- und Kulturräume sowie unsere Gesellschaft öffnen, damit wir wirklich Viele werden!

Wir als Unterzeichnende der Kunst- und Kultureinrichtungen von Stadt und Landkreis Osnabrück, ihrer Interessensverbände und freien Kunst- und Kulturschaffenden begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

  • Die Unterzeichnenden führen den offenen, aufklärenden, kritischen Dialog über Strategien, die demokratische Grundwerte untergraben. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Institutionen den Auftrag haben, unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln.
  • Wir, die Unterzeichnenden, bieten kein Podium für völkisch-nationalistische Propaganda.
  • Wir, die Unterzeichnenden, wehren die Versuche der Rechtsnationalen ab, Kultur für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
  • Wir, die Unterzeichnenden, solidarisieren uns mit Menschen, die durch rechte Ideologien immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

SOLIDARITÄT STATT PRIVILEGIEN. ES GEHT UM ALLE. DIE KUNST BLEIBT FREI!

Selbstverpflichtung – Osnabrücker Erklärung

1. Als Unterzeichner*innen sind Kultureinrichtungen, Kunstinstitutionen, Theater, Museen und Interessenvertretungen oder Verbände angefragt.

2. Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen oder das Leitungsteam bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen, Ensemblemitgliedern, Kurator*innen, Publikum und Besucher*innen bekannt zu machen und zur Diskussion zu stellen.

3. Die Erklärung wird auf der Internetseite, im Programmheft, als Aushang im Foyer uvm. veröffentlicht.

4. Die Unterzeichner*innen werden auf der Homepage dievielen.de sichtbar gemacht. Eine Verlinkung ist gewünscht.

5. Die golden–glitzernde Rettungsdecke, das Symbol der Vielen, soll je nach Corporate Design der Einrichtung Anwendung im Zusammenhang mit der Erklärung finden – ob als Layout-Hintergrund, als Icon oder golden-glänzend hinterlegte Schrift.

6. Die Unterzeichnenden bereiten Informationsveranstaltungen, Gespräche und Aktivitäten im Sinne der fünf Handlungsebenen der Erklärung vor, die Termine werden gemeinsam über dievielen.de kommuniziert.

7. Im Rahmen der eigenen Pressearbeit und einer Pressemitteilung werden die Erklärung und die Kampagne mit Stichtag zum 10.04.2019 veröffentlicht. Aktionen zum Kampagnenstart wie das Hissen der goldenen Rettungsdecken an den Kulturorten, erste Informationsveranstaltungen, Lesungen uvm. werden selbstständig realisiert und gemeinsam koordiniert.

8. Die Kampagne zur Osnabrücker Erklärung der Vielen hat einen regionalen Charakter und wird über regionale Zusammenschlüsse von Kultureinrichtungen als „Berliner, Hamburger, Kölner, Dresdener uvm. Erklärung der Vielen“ bundesweit verbreitet.

9. Neben den unterzeichnenden Kultureinrichtungen können auch Einzelpersonen und Künstler*innengruppen ihre Zustimmung als Unterstützende erklären.

10. Kultureinrichtungen können sich als Unterzeichnende natürlich auch noch nach dem 10.04.2019 mit der Erklärung verbinden.

11. Die unterzeichnenden Einrichtungen beteiligen sich aktiv an einer bundesweiten Kampagne mit Aktionstagen, Dialogforen und der Mobilisierung zu einer „Glänzenden Demonstration der Kunst und Kultur – Solidarität statt Privilegien. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!“ in Berlin zum Mai 2019.

12. Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Akteur*innen der Künste, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst unter Druck gesetzt werden.

13. Die Unterzeichnenden bleiben durch regelmäßige Treffen im Austausch miteinander.

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